| Die Pfarrkirche St. Alban in Gabsheim Baugeschichte | ||
| Die katholische Pfarrkirche St. Alban in Gabsheim ist eine spätgotische, dreischiffige Hallenkirche mit drei Jochen und einem Chor mit 5/8 Abschluss und einem Joch. Der Chor ist zur Längsachse des Kirchenschiffs leicht abgewinkelt. Diese Abweichung des Chors von der Hauptachse des Kirchenschiffes soll, der Überlieferung nach, das geneigte Haupt Christi am Kreuz symbolisieren. Chor und Kirchenschiff entstammen verschiedenen Bauzeiten. So wird die Entstehungszeit des Chors in das ausgehende 14. bis beginnende 15. Jahrhundert datiert, die des Schiffs und des Turms dagegen in die ersten Jahre des 16. Jahrhunderts, etwa die Zeit um 1509. (Weiteres s. unten). Die Längsachse der Kirche verläuft in West-Ost-Richtung, im Westen der Turm, im Osten der Chor. | ||
![]() | ||
| Die
heutige Kirche steht an der Stelle von Vorgängerbauten, über deren
Größe und Aussehen nichts überliefert ist. Auch gibt es keine Hinweise,
dass beim Ausheben von Gräbern, dem Erweiterungsbau der Sakristei oder
bei dem Eingraben des Öltanks für die Kirchenheizung Fundamentreste
früherer Bauwerke zutage getreten sind. Der erste urkundliche Hinweis auf eine Kirche in Gabsheim entstammt einer Urkunde vom 21. Nov. aus dem Jahr 1184, in der sich das Benediktinerkloster St. Alban bei Mainz von Papst Lucius III. bestimmte Privilegien bestätigen läßt. In dieser Urkunde ist unter anderem auch von einer "ecclesiam in Gessbosheim" (Kirche in Gabsheim) die Rede. Allerdings ist derjenige Teil, in dem Gabsheim erwähnt wird, eine "Verunechtung" (Fälschung), die Ende der 20er bis Anf. der 30er Jahre des 13. Jahrhunderts bezüglich der Papsturkunde vorgenommen wurde. Das Kloster musste sich zu dieser Zeit nämlich eines stärkeren erzbischöflichen Einflusses erwehren und so hat man offensichtlich die allgemein gehaltene Papsturkunde mit präziseren Fakten angereichert. Diese Urkunde und auch der Name des Kirchenpatrons, St. Albanus, zeigen deutlich den Einfluss des Klosters St. Alban bei Mainz auf die Kirche von Gabsheim. Dieses Kloster hatte seit dem frühen Mittelalter umfangreichen Grundbesitz in Gabsheim und auch einen Fronhof, den sog. Albanshof (in der heutigen Kirchgasse). Außerdem verweisen die "Albanusgärten" links vom Goldbach ebenfalls auf diesen Klosterbesitz. Die Pfarrkirche gehörte ebenfalls zum Kloster St. Alban, denn am 16. Januar 1341 inkorporiert der Mainzer Erzbischof Heinrich (Heinrich III von Virneburg) die Pfarrkirche von Gabsheim dem Prior und Konvent von St. Alban. Das Patronatsrecht an der Kirche steht dem Abt zu, der dazu auch seine Zustimmung gegeben hat (Baur, Hess. Urkunden I, Nr, 568). Die Zuständigkeit des Klosters St. Alban für die Gabsheimer Kirche zeigt sich auch an der Gewölbekonsole links im Chor, die das Wappen von Scholaster und Capitel des Klosters St. Alban zeigt (s. Menüpunkt Wappen). Nach einer Vereinbarung im Jahre 1518 waren die Herren von St. Alban (1419 war das Benediktinerkloster St. Alban in ein Ritterstift umgewandelt worden) verpflichtet, Chor und Kirchengebäude zu bauen und in Stand zu halten, während die Gemeinde für den Turm zuständig war. Ein genauer Zeitpunkt für die Errichtung von Chor, Kirche und Turm kann nicht angegeben werden, denn es gibt dazu weder Bauinschriften noch urkundliche Hinweise. Man muss also die Bauzeit der Kirche anhand stilistischer, bautechnischer und anderer Hinweise einzugrenzen versuchen. In bisherigen Beschreibungen spielen hierbei die Steinmetzzeichen eine wichtige Rolle. An verschiedenen Stellen kann man dazu lesen, dass an der Gabsheimer wie Bechtolsheimer Kirche dieselben Steinmetzzeichen auftauchten, woraus man schließen könne, dass beide Kirchen um die gleiche Zeit gebaut worden sein müssen. Da die Bechtolsheimer Kirche laut einer Urkunde zwischen 1482 und 1487 gebaut wurde, nimmt man an, dass auch das Kirchenschiff in Gabsheim um die gleiche Zeit gebaut worden sein muss. Offensichtlich hat aber niemand die Behauptung von den gleichen Steinmetzzeichen in Bechtolsheim und Gabsheim überprüft. Betrachtet man nämlich die bei Karl Oberle (Geschichte von Bechtolsheim, 2. Aufl. 1995, S. 96) dokumentierten Steinmetzzeichen oder besucht die Kirche in Bechtolsheim und vergleicht die Steinmetzzeichen dort mit denen aus Gabsheim, so finden sich keinerlei Übereinstimmungen. Lediglich ein Zeichenpaar, das sich in Bechtolsheim an den Innenpfeilern und in Gabsheim an den Eingangstüren vorfindet, könnte zusammengehören, wenn man die unterschiedlichen Proportionen, Winkel und die Spiegelverkehrtheit ignoriert. Dies wäre aber dann nur eine Übereinstimmung bei insgesamt mehr als zehn Steinmetzzeichen. | ||
![]() ![]() | Sind
diese Steinmetzzeichen vom gleichen Handwerker? links: an der Kircheneingangstür in Gabsheim rechts: an einem Innenpfeiler der Bechtolsheimer Kirche | |
| Friedhelm
Wilhelm Fischer, dessen kunsthistorische Beschreibung der
Gabsheimer Kirche später noch eingehnder betrachtet wird, stützt sich
bei der Datierung vor allem auf stilistische Vergleiche mit anderen
Sakralbauten und kann eindeutig Beziehungen zur sogenannten
Meisenheimer Schule und ihres Meisters Philipp von Gemünd (†1523)
herausarbeiten. Er datiert die Gewölbefertigstellung im Langhaus
zwischen 1509 bis spätestens 1518. Der Chor ist etwa 100 Jahre früher
erbaut,
er stammt aus dem späten 14. oder frühen 15. Jahrhundert (ca.
1390-1410). Abweichend hiervon gibt Ernst Stephan in seiner Darstellung
zu den Baudenkmälern des Kreises Alzey (in: Alzeyer Geschichtsblätter 2
(1965), S. 145) an, dass die Kirche in Gabsheim 1465-1468 erbaut worden
sei, ohne jedoch zu belegen, wie er zu diesen Zahlen kommt. Im
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Band Pfalz und Rheinhessen, von
Georg Dehio / Ernst Gall, 2. Aufl. München, Berlin 1961, S. 50 wird die
Erbauung des Schiffs auf ca. 1490 datiert. Wir können also für die
Fertigstellung des Kirchenschiffs
ungefähr die Zeit zwischen 1490 bis 1510 annehmen. Kirchenrenovierungen Seit der Erbauungszeit hat die Gabsheimer Kirche keine wesentlichen Umgestaltungen erfahren. Nach urkundlichen Berichten wurde im Jahr 1693 der Turm, "welcher in der französischen Kriegszeit im Helm abgekürzt und abgehauen worden" war, neu aufgebaut. Mit der französischen Kriegszeit sind die Kriege Ludwigs XIV gemeint; man hatte damals den Turm in seiner oberen Hälfte niedergelegt, vermutlich, damit er die Lage des Dorfes hinter dem ulmenbewachsenen Dorfgraben nicht verrate. | ||
Nach einem Eintrag im Gabsheimer Pfarrbuch (hier zitiert nach Georg Palzer, Gabsheim in Vergangenheit und Gegenwart. Maschinenschr. Exemplar, ehmals im Gabsheimer Pfarrhaus aufbewahrt, S. 535) wurde im Jahre 1768 die Gabsheimer Kirche von Weihbischof Christophorus Nebel konsekriert und dediziert. Der Grund für diese (erneute?) Konsekration ist nicht ganz ersichtlich. Entweder wegen gravierender Umbauarbeiten oder aber durch eine zuvor stattgefundene Entweihung im Zusammenhang mit Kriegsereignissen? Im Laufe der letzten Jahrhunderte erfolgten mehrere Renovierungen. Georg Palzer, Gabsheimer Chronik S. 539 erwähnt eine im Jahr 1840, bei der das der Sakristei gegenüberliegende Chorfenster zugemauert worden sei. Im Jahr 1864 wurde der Turmhelm erneuert. Man beabsichtigte damals nur eine Ausbesserung; als man aber an die Arbeit ging, zeigte es sich, daß das ganze Holzwerk wurmstichig war und eine vollständige Erneuerung nicht zu umgehen war. Die Kosten kamen auf 5000 Gulden. Unter Pfarrer Vogeler wurde im Jahr 1877 von dem Mainzer Maler Valentin Volk die Kirche neu ausgemalt. Inwieweit sich der Maler an eventuell vorhandenen frühere Malereien orientierte, ist nicht bekannt. Etwa um 1910 sollte die Kirche wieder neu ausgemalt werden. Auf Anregung der Denkmalpflege reichte Prof. Linnemann einen künstlerisch hochstehenden Entwurf ein, doch infolge des Ersten Weltkrieges und der darauf folgenden Geldentwertung kam es nicht mehr zur Ausführung des Entwurfs (so Georg Palzer, S. 539). Abweichend davon behauptet Ernst Stephan in seiner oben genannten Darstellung, dass die Kirche in Gabsheim 1908/09 von Prof. Linnemann neu ausgemalt worden sei (ohne Quellenangaben). Ebenfalls im Jahr 1877 wurde auch die Empore durch eine im neugotischen Stil ersetzt. Die damalige Empore wurde von Baumeister Linus entworfen und von Schreinermeister Johann Gill, Mainz, Pfaffengasse im November 1876 gefertigt. Nach dem oben genannten Handbuch von Dehio/Gall hat im Jahre 1909 eine weitere Restaurierung stattgefunden, über deren Umfang heute nichts mehr bekannt ist. Eine umfassende Renovierung erfolgte dann 1933/1934, in den ersten Jahren des Wirkens von Pfarrer Lederer, der 1932 nach Gabsheim kam. Der folgende Zeitungsartikel informiert über die durchgeführten Renovierungsmaßnahmen: | ||
![]() | ![]() Zeitungsartikel
ohne Angabe von Quelle und Datum (wohl Ende Dezember 1934) über eine umfassende Renovierung der Gabsheimer Kirche. Nicht im Zeitungsartikel erwähnt ist die Erweiterung der Sakristei, die aber um die gleiche Zeit erfolgt sein muss. | |
| Die letzte umfassende Renovierung, sowohl von außen als auch von innen erfolgte unter Pfarrer Winfried Wocker in den Jahren 1970 und 1971. Sie ging einher mit einer Sanierung und einem Neuanstrich der Außenfassade, der Neueindeckung des Kirchturms und einer umfassenden Umgestaltung des Innenraums, die die Empore, den Hauptaltar, die Fenster, Bänke und die Orgel betraf. Einzelheiten hierzu finden sich u. a. in den Menüpunkten Innenraum, Ausstattung, Fenster. | ||